Infoabend: Einsatz für insektenfreundliche Gärten

Insektenbotschafter Jörn Buldmann klärte auf

Der Vortrag von Jörn Buldmann war ebenso informativ wie eindrücklich: Mit anschaulichen Beispielen, überraschenden Fakten und spürbarer Begeisterung gelang es ihm, die oft übersehenen Insekten in den Mittelpunkt zu rücken. Dabei wurde nicht nur die Dramatik ihres Rückgangs deutlich, sondern auch, wie viel jede und jeder Einzelne ganz konkret zu ihrem Schutz beitragen kann.

Alarmierende Zahlen: 70 % weniger Insekten in zwölf Jahren

Man hat es schon oft so oder so ähnlich gehört, aber es bleibt erschreckend: In den letzten zwölf Jahren ist die Insektenbiomasse bei uns um 70% zurückgegangen! Das geht alle an, und (fast) jede/r kann etwas dagegen tun, so Insektenbotschafter Jörn Buldmann, auf einem inspirierenden und gut besuchten Offenen Abend der Dornberger Grünen am 16. März. Da kamen nicht nur jede Menge Infos über die sympathischen Sechsbeiner rum, sondern auch viele Tipps, wie man ihnen das Leben im eigenen Garten oder auch nur am Haus leichter machen kann.

Vielfalt in Gefahr: Spezialisten unter den Insekten

Wer hätte z.B. gedacht, dass es allein 600 Wildbienenarten in Deutschland gibt, von denen aber viele, wenig überraschend, vom Aussterben bedroht sind? Und viele von ihnen sind wie andere Insekten extrem auf Futterpflanzen spezialisiert, etwa auf die Pfirsichblättrige Glockenblume, den Efeu – die Efeu-Seidenbiene wurde erst 1993 entdeckt - oder, wie die Raupe des Zitronenfalters, auf den Kreuzdorn.

Der Garten als Lebensraum: Wie jede*r helfen kann

Anders als monokulturell genutzte große landwirtschaftliche Flächen können städtische Gärten leicht insektenfreundlich gestaltet werden, etwa durch gezieltes Anpflanzen von Wildpflanzen. Dabei sollte man auf regionales Saatgut zurückgreifen, um eine genetische Vermischung zu verhindern.

Giersch – unterschätztes Multitalent im Garten

Der gewöhnliche Giersch gilt vielen als hartnäckiges Unkraut – dabei ist er ein ausgesprochen wertvoller Lebensraum für Insekten. Seine weißen Doldenblüten bieten reichlich Nektar und Pollen und werden von Wildbienen, Honigbienen, Schwebfliegen, Käfern und Schmetterlingen gerne besucht. Zudem dient der Giersch als wichtige Raupenfutterpflanze, etwa für Arten wie den Dukatenfalter oder den Kleinen Eisvogel. Giersch trägt zur kontinuierlichen Versorgung von Bestäubern bei – nicht zuletzt durch seine lange Blütezeit von Mai bis September. Wer ihn im Garten nicht vollständig entfernt, sondern gezielt stehen lässt, schafft damit ohne großen Aufwand einen lebendigen und artenreichen Mikrolebensraum.

Rasen mähen – aber richtig: Weniger ist mehr

Aber der Insektenschutz fängt schon beim Rasenmähen an: Wer optimal handeln will, mäht nur einmal am Ende der Saison. Für Leute, die solche „Unordnung“ im Garten schwer ertragen, wäre ein Kompromiss, per Balkenmäher so genannte „Spießerstraßen“ zu mähen, oder nur Inseln stehen zu lassen. Auf jeden Fall sollte man die aus England bekannte Praxis befolgen, nicht vor Ende Mai zu mähen. Dabei geht es immer darum, die Natur möglichst weitgehend ihren Weg selbst finden zu lassen.

Lebensräume schaffen: Sand, Wildpflanzen und natürliche Strukturen

Weil 70% der Wildbienen im Sand leben und bis zu 50 cm tiefe Gänge graben, lassen sich mit im Fachhandel zu erwerbende spezielle Sandmischungen entsprechende Biotope anlegen. Kurios: Es gibt eine Sandbienenart, die Kuckucksbiene, die ihr Ei in fremde Bruthöhlen legt.

Nistplätze und Nisthilfen: Was wirklich funktioniert

Von gut gemeinten Insektenhotels, die es im Baumarkt gibt, rät Jörn Buldmann ab: „Die funktionieren nicht!“ Besser ist es, selbst Hartholzbalken mit sauberen Bohrungen zu versehen, die dann schnell besiedelt werden. Für die Rostrote Mauerbiene gibt es im Fachhandel Nistblöcke. Und aus morschem Holz, das 30 bis 40 cm tief in den Boden eingebracht wird, lässt sich im Handumdrehen eine „Käferburg“ zaubern.

Praktische Tipps und lokale Initiativen

Viele praktische Tipps gibt es unter dem Motto „Bielefeld wird BieNefeld“ auch auf der Website projekt-biene.de.

Arten bestimmen leicht gemacht: Nützliche Apps für Naturfreunde

Wer tiefer in die Welt der Insekten und Pflanzen eintauchen möchte, kann auch digitale Hilfe nutzen: Mit der App ObsIdentify lassen sich Insekten schnell und unkompliziert bestimmen. Für Wildpflanzen empfiehlt sich die App Flora Incognita, die ebenfalls per Foto funktioniert und erstaunlich präzise Ergebnisse liefert. So wird der eigene Garten ganz nebenbei zum kleinen Forschungsfeld.

Fazit: Raum schaffen – und Wunder ermöglichen

Man sieht – aktiver Schutz von Insekten ist nicht schwer! Oder, wie es Jörn bündig zusammenfasste: „Es ist alles da. Man muss nur den Raum schaffen. Dann geschehen Wunder!“

Die Präsentation kann man sich weiter unten anschauen oder hier herunterladen. Den lebendigen und eindrucksvollen Vortrag selbst kann sie jedoch nur schlecht wiedergeben.