Offener Abend der Dornberger Grünen zu „Crowd & Rüben“
Was ist solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) und wie funktioniert sie? Was hat das mit gesunder und nachhaltiger Ernährung und mit Klimaschutz zu tun? Wie kann man selbst Mitglied werden? Das waren nur einige der Fragen, auf die es beim Infoabend der Dornberger Grünen am 27. April 2026 Antworten gab. Thomas Retzlaff und Katja Hommel von der Steinhagener SoLaWi „Crowd & Rüben“ stellten dabei ausführlich ihr Projekt vor.
Was ist solidarische Landwirtschaft (SoLaWi)?
Die Idee der SoLaWi wurde in den 60er Jahren in Japan geboren. Inzwischen gibt es in Deutschland fast 500 SoLaWis und weitere 100 befinden sich in Gründung – alle in den unterschiedlichsten Formen und Größen. Gemeinsam ist ihnen die Ausschaltung des Zwischenhandels – die Produkte gehen unmittelbar an die SoLaWi-Mitglieder – und natürlich das Streben nach umweltfreundlich produzierten besonders gesunden Nahrungsmitteln. Das unternehmerische Risiko trägt in einer SoLaWi nicht die/der einzelne Landwirt/in sondern die Gemeinschaft aller Mitglieder (bei Crowd & Rüben etwa 80).
Das Projekt „Crowd & Rüben“ in Steinhagen
Crowd & Rüben gründete sich 2020 auf dem 1664 erstmals erwähnten Steinhagener Hof Retzlaff. 2024 kam der Trägerverein gleichen (originellen) Namens hinzu, der sich nicht zuletzt der Bildungsarbeit widmet. Hier kann man in Workshops beispielweise lernen, wie man richtig fermentiert und kompostiert.
Nachhaltig wirtschaften: Landwirtschaft im Einklang mit der Natur
Augenblicklich bewirtschaftet Crowd & Rüben eine Fläche von 1,6 ha und dies nach den Grundsätzen der Permakultur. Dabei wird der Boden nach dem Vorbild des Waldbodens durch Mulch bedeckt, um Austrocknung zu verhindern, und vorwiegend mit Regenwasser gearbeitet, das weicher als Grundwasser ist und daher besser aufgenommen wird. Das setzt intelligentes Wassermanagement, auch über eine neu angelegte Zisterne, voraus.
Die Herstellung von Synergien zwischen Pflanzen (wie im Wald) statt Monokulturen, die Rotation der Beete und damit verbunden bestimmte Fruchtfolgen gehören ebenso zu den Bewirtschaftungsprinzipien wie regeneratives, bodenaufbauendes Arbeiten. So geht etwa das Mikrobiom von Pflanzen in der konventionellen Landwirtschaft durch Kunstdünger verloren. Crowd & Rüben bemüht sich dagegen, deren Wurzeln wieder mit für den Stoffwechsel wichtigen Bakterien zu besiedeln.
Pflügen ist nur als notwendiges Übel vorgesehen, wenn es in besonders nassen Jahren zu viel „Unkraut“ gibt. Aber immerhin verfügt die SoLaWi über einen Mini-Mähdrescher mit beeindruckend geringer Schnittbreite von 1,70 m zur Vermeidung von Bodenschäden.
Gemeinschaft statt Konsum: Mitmachen in der SoLaWi
Ungefähr 80 Gemüsesorten werden in Steinhagen angebaut und an die Mitglieder ausgegeben. Die können zwischen einem großen Anteil für 95 € oder einem kleinen von 60 € monatlich auswählen, aber wer mag, kann auch durch Arbeitsleistung „bezahlen“. Alle zwei Wochen gibt es Gartentage, an denen die Mitglieder zur Mitarbeit eingeladen sind. Doch das ist nicht der einzige Zweck dieser Termine: Es geht auch um Kennenlernen und Austausch untereinander. Die SoLaWi solle, so Thomas Retzlaff, ein naturnaher „Wohlfühlort“ ohne Anonymität sein. Daher habe man nicht den Ehrgeiz, einer SoLaWi im Leipziger Umland mit 4000 (!) Mitgliedern nachzueifern, „aber für neue Mitglieder sind wir offen!“
Events
Crowd & Rüben veranstaltet darüber hinaus regelmäßig Events für Mitglieder und Nicht-Mitglieder. Das Programm findet man unter Events. Am 14. Mai 2026 findet z. B. eine Radtour mit dem ADFC von Bielefeld zum Garten von Crowd & Rüben statt. Im Juni 2026 ist zudem ein Naturkurs geplant, bei dem Teilnehmende lernen, Kräutertee selbst herzustellen – vom Ernten über das Trocknen bis zum eigenen Tee-Mix.
SoLaWi in OWL
Eine Übersicht der SoLaWis in OWL findet man auf der Seite solidarische-landwirtschaft.org.
Weitere Infos unter: Crowd & Rüben

