Mit den GRÜNEN ins Grüne – mit Hannes Wader in die Hannes-Wader-Aue

Mit den GRÜNEN ins Grüne – mit Hannes Wader in die Hannes-Wader-Aue

Rund 20 Naturinteressierte folgten der Einladung der Dornberger Grünen zu einer Wanderung entlang des Johannisbachs. Fachkundige Einblicke in Natur, Landschaft und Artenvielfalt gaben die Biologin Claudia Quirini vom Naturwissenschaftlichen Verein Bielefeld sowie Hans-Joachim Bannier, Initiator des Obst-Arboretums Olderdissen, der zugleich für die Pflege der Apfelbaumallee in der Hannes-Wader-Aue verantwortlich ist und sich seit vielen Jahren für den Erhalt alter Apfelsorten engagiert. Besonders freuten wir uns über die Teilnahme des Liedermachers Hannes Wader, der die Wanderung begleitete. Warum die Hannes-Wader-Aue ihren Namen trägt und welche persönliche Beziehung Hannes Wader zu diesem Ort hat, dazu später mehr. Interessant in diesem Zusammenhang: Start- und Endpunkt der Wanderung war sein Elternhaus.

Ackerrandstreifen: Kleine Flächen mit großer Wirkung

Die erste Station führte zu einem Ackerrandstreifen. Diese ungespritzten und ungedüngten Randbereiche von Feldern leisten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt. Sie bieten seltenen Ackerwildkräutern, Insekten und Vögeln wertvolle Lebensräume und fördern die natürliche Schädlingsbekämpfung.

Anhand des Ackerstiefmütterchens – der Wildform unserer heutigen Garten-Stiefmütterchen – wurde deutlich, wie vielfältig die heimische Flora sein kann und welches Potenzial zur natürlichen Regeneration in ihr steckt, wenn man ihr ausreichend Raum gibt. Claudia Quirini warnte zugleich vor vielen handelsüblichen Blühwiesenmischungen, die häufig nicht heimische Arten enthalten und so bestehende Ökosysteme beeinträchtigen können. Zugleich betonte sie ausdrücklich das Engagement vieler Landwirte, die Ackerrandstreifen und andere Naturschutzmaßnahmen bereits umsetzen und damit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten.

Spannend waren auch die Erläuterungen zur Erdgeschichte unserer Region. Die fruchtbaren Lehm- und Muschelkalkböden stammen aus einer Zeit, als sich hier noch ein Meer befand. Gleichzeitig wurde auf die Herausforderungen hingewiesen, die durch Überdüngung und Nährstoffeinträge für Flora und Fauna entstehen können. Fruchtbare Böden entstehen über sehr lange Zeiträume – werden sie geschädigt, lassen sich diese Verluste oft nur schwer oder gar nicht wieder ausgleichen.

Amphibienschutz: Investitionen, die sich auszahlen

Ein weiterer Schwerpunkt der Wanderung war die Amphibienschutzanlage am Linkberg. Jährlich können hier mehrere Tausend Amphibien die Straße sicher unterqueren. Bergmolche, Erdkröten, Grasfrösche, Feuersalamander und weitere Arten nutzen die Tunnelanlagen auf ihren Wanderungen zwischen Winterquartieren und Laichgewässern.

Die Anlage verdeutlicht, wie durchdachte Naturschutzmaßnahmen in der Praxis funktionieren. Spezielle Leitsteine verhindern, dass die Tiere auf die Straße gelangen, und führen sie zu den Tunneln. Selbst die Betonoberflächen sind so gestaltet, dass die empfindliche Haut der Amphibien geschützt wird. Die Tunnel werden zudem nicht nur von Amphibien genutzt, sondern auch von Füchsen, Dachsen und anderen Kleintieren. Selbst bei den Einfallschächten wurde an alles gedacht. Während die Amphibien über die Schächte sicher zu den Tunneln geleitet werden, können Autos und Fahrräder die Gitterroste problemlos überfahren. Ein spezielles Hundeüberlaufblech am Rand sorgt zudem dafür, dass auch Vierbeiner die Anlage sicher passieren können.

Interessant war die Einschätzung von Claudia Quirini, dass solche Anlagen langfristig oft günstiger sind als die jährlich neu aufzubauenden Amphibienschutzzäune. Die Stadt Bielefeld verfolgt deshalb seit einigen Jahren das Ziel, temporäre Zäune schrittweise durch dauerhafte Tunnelanlagen zu ersetzen. Entlang der Dornberger Straße soll noch in diesem Jahr eine weitere Amphibienschutzanlage entstehen. Claudia Quirini setzt sich dabei dafür ein, dass die Anlage nicht nur Amphibien, sondern auch größeren Kleintieren wie Dachsen eine sichere Querung ermöglicht.

Besonders eindrucksvoll war in diesem Zusammenhang eine Erinnerung von Hannes Wader. In seiner Kindheit habe es Nächte gegeben, in denen so viele Kröten unterwegs gewesen seien, dass man kaum wusste, wohin man treten sollte. Heute erscheint eine solche Vorstellung fast unwirklich und macht deutlich, wie stark viele Tierbestände zurückgegangen sind. Dazu passt eine weitere Beobachtung der Exkursion: Über weite Strecken blieb der Himmel ungewöhnlich leer und still, Vögel waren kaum zu sehen oder zu hören. Wo früher zahlreiche Vogelarten selbstverständlich zum Landschaftsbild gehörten, bleibt der Himmel heute vielerorts leer. Auch dies verdeutlicht die Herausforderungen, vor denen Natur- und Artenschutz heute stehen.

Hannes-Wader-Aue: Mehr Raum für Natur

An der Hannes-Wader-Aue mit ihrer Apfelbaumallee erläuterte Hans-Joachim Bannier die Bedeutung alter Obstbaumbestände für die Artenvielfalt. Zugleich kritisierte er den geringen Abstand zwischen den Bäumen und den angrenzenden Ackerflächen. Insbesondere die Bearbeitung der Felder könne das Wurzelwerk der Obstbäume beeinträchtigen. Zudem bemängelte er die aus seiner Sicht unautorisierten und nicht fachgerecht ausgeführten Rückschnittmaßnahmen an den Bäumen.

Bannier sprach sich deshalb dafür aus, dass die Stadt Bielefeld beziehungsweise der Immobilienservicebetrieb (ISB) als Verpächter landwirtschaftlicher Flächen größere Schutzabstände verbindlich festlegt. So sollten Landwirte auf verpachteten Flächen einen Abstand von mindestens vier Metern zu Obstbaumreihen wie der Apfelbaumallee einhalten. Damit formulierte Bannier zugleich einen konkreten Vorschlag für den Schutz der Apfelbaumallee, der auch auf kommunalpolitischer Ebene aufgegriffen werden sollte.

Darüber hinaus warb er für mehr Strukturvielfalt in der Landschaft. Hecken, Gehölzstreifen und andere gliedernde Elemente könnten große Ackerflächen auflockern und wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen schaffen. Solche Strukturen fördern die Artenvielfalt, verbessern die Vernetzung von Lebensräumen und tragen dazu bei, die oft monotonen Agrarlandschaften wieder vielfältiger zu gestalten.

Für einen besonderen Moment an der Hannes-Wader-Aue sorgte die Anwesenheit von Hannes Wader. Der Liedermacher zeigte sich sichtlich bewegt, dass sein Wirken als Bielefelder Liedermacher bereits zu seinen Lebzeiten auf diese Weise Anerkennung findet. Gleichzeitig erinnerte der Ort an seine enge Verbundenheit mit Dornberg und Bielefeld. Bereits am 30. Oktober 2020 wurde Hannes Wader auf Initiative von Freunden, der Stadt Bielefeld und der Bezirksvertretung Dornberg mit der Benennung der Hannes-Wader-Aue geehrt. Ein Findling erinnert vor Ort an diese Auszeichnung und macht die besondere Verbindung zwischen dem Liedermacher und dieser idyllischen Landschaft sichtbar.

Natur schützen heißt Zukunft sichern

Der Spaziergang machte deutlich, wie eng der Schutz unserer Natur mit unserem eigenen Handeln verbunden ist. Gleichzeitig zeigte die Exkursion, dass erfolgreiche Naturschutzmaßnahmen möglich sind – sei es durch Ackerrandstreifen, Amphibienschutzanlagen oder die Schaffung neuer Lebensräume.
Nach zwei informativen Stunden endete die Wanderung um 13 Uhr. Trotz eines kurzen Regenschauers an der Amphibienschutzanlage blieb das Wetter den Teilnehmenden weitgehend wohlgesonnen. Die positive Resonanz war so groß, dass bereits weitere naturkundliche Spaziergänge in Dornberg geplant werden.
Denn eines wurde an diesem Tag deutlich: Unsere Umgebung ist nicht nur wunderschön – sie ist auch mehr als schützenswert.