Die Verzögerungen an der Dornberger Straße zeigen: Nicht der Amphibienschutz ist das Problem, sondern die Frage, wie solide und resilient ein solches Bauprojekt geplant wird.
Die Fertigstellung der Sanierung der Dornberger Straße (L778) verzögert sich. Als Gründe werden neben Lieferengpässen bei den Bauteilen für die Amphibientunnel auch zusätzliche Arbeiten an der Abwasserdruckleitung sowie unerwarteter Fels im Untergrund genannt (siehe Straßen.NRW).
Lieferengpässe werfen Fragen auf
Nicht alle diese Probleme waren vorhersehbar. Die Lieferengpässe werfen allerdings eine grundsätzliche Frage auf: Warum waren zentrale Bauteile nicht bereits vor Beginn der Vollsperrung gesichert?
Die zentrale Bedeutung der Dornberger Straße als Verbindungsstraße war bekannt. Eine monatelange Vollsperrung hat erhebliche Auswirkungen auf den gesamten Stadtteil und die Menschen, die dort leben. Bereits im Vorfeld gab es Kritik an der Länge der Bauzeit und der mangelhaften Kommunikation durch Straßen.NRW. Erst auf erheblichen Druck aus der Anwohnerschaft fand eine Informationsveranstaltung statt – gerade einmal eine Woche vor Baubeginn.
Amphibienschutz ist nicht das Problem
Wenig hilfreich war allerdings die populistische Zuspitzung auf Schlagworte wie „Kröten statt Kinder“. Sie konstruiert einen Gegensatz zwischen Amphibienschutz und den Interessen der Menschen im Stadtteil, der am eigentlichen Problem vorbeigeht. Derartige populistische Zuspitzungen erschweren eine sachliche Debatte, fördern Misstrauen gegenüber Institutionen und schaden damit letztendlich auch unserer Demokratie.
Denn angesichts des Rückgangs vieler Amphibienbestände kann die Frage nicht sein, ob Amphibienschutz notwendig ist. Es stellt sich vielmehr die Frage, wie eine langmonatige Sanierungsmaßnahme so geplant und umgesetzt werden kann, dass notwendige Schutzmaßnahmen und die berechtigten Interessen der Menschen vor Ort gleichermaßen berücksichtigt werden.
Das Lieferproblem war bereits bekannt
Wie erinnerlich, wurde der Baustart bereits vor Beginn der Maßnahme von Anfang Juli auf Ende Juli verschoben (siehe Straßen.NRW). Grund hierfür war, dass sich die Produktion der Amphibientunnel verzögerte. Spätestens mit dieser ersten Verzögerung war erkennbar, dass die rechtzeitige Verfügbarkeit der Tunnelbauteile einen kritischen Faktor für den gesamten Bauablauf darstellt. Umso mehr stellt sich die Frage, warum die benötigten Bauteile nicht bereits vor Beginn der Vollsperrung vollständig bereitgestellt wurden.
Entscheidend ist eine solide und resiliente Planung
Die aktuellen Verzögerungen zeigen: Das eigentliche Problem sind nicht die Amphibientunnel. Entscheidend ist, wie solide und resilient ein bedeutendes Bauprojekt geplant und organisiert wird. Gerade bei einer zentralen Verkehrsverbindung eines Wohnbezirks muss die Planung auch Lieferausfälle und andere Störungen verkraften können. Man kann die Frage nur noch einmal wiederholen: Warum wurden die benötigten Tunnel nicht bereits vor Baustart produziert und bereitgestellt, wenn ihre zentrale Bedeutung für einen reibungslosen Ablauf der Baumaßnahmen bereits zuvor bekannt war? Ein erkennbares Risiko für den Bauablauf hätte damit bereits vor Beginn der Vollsperrung deutlich reduziert werden können. Damit hätte man zugleich populistischen Zuspitzungen wie „Kröten statt Kinder“ ein Stück weit den Boden entzogen (siehe hierzu Kinder UND Kröten: Aufruf zur Versachlichung).